Museumsnacht

Das Bellevue für eine Nacht als ein Spital der Spitzenklasse

Das Inselspital beteiligte sich erstmals an der Museumsnacht. Sieben medizinische Abteilungen präsentierten Historisches und High-techmedizin in Salons des Hotels Bellevue. Das Publikum stand Schlange.

Einer der Hotspots der Berner Museumsnacht ist die Kocher- und die Bundesgasse. Der Bundesplatz ist Ausgangspunkt und Zentrum der nächtlichen Museumsreise. Hier befindet sich das Infozentrum und Nachtschwärmer treffen sich im grossen Zelt – oder steigen in eine der Shuttle-Linien, die zu allen beteiligten Institutionen führen.

Bereits eine halbe Stunde vor Einlass stehen Dutzende von Leuten vor dem Bundeshaus, wo unter anderem Führungen und eine Fotoausstellung der Bundeshausfotografen angesagt sind.

Schlange gestanden wird aber nicht nur vor dem Bundeshaus. Einige Meter nebenan das gleiche Bild vor dem Hotel Bellevue. Ein paar Dutzend Leute warten auf das «fahrende Museum», auf eine Fahrt in einem der Oldtimer. Andere drängen ins Haus. Was die Menschen interessiert: Das Inselspital, erstmals an der Museumsnacht als Gast dabei, hat sich für eine Nacht im Bellevue eingerichtet.

Bereits vor 18 Uhr strömen Dutzende von Menschen in den Salon du Palais herein.

Koryphäen im Bellevue

Dort an der Wand hängt ein 15 mal 5 Meter großes, anatomisches Bild eines Menschen um 1900. Vor dieser Riesenfigur haben die Chefärzte von sechs ­chirurgischen Abteilungen des Inselspitals ihre fachspezifischen Geräte installiert. Es sind Hightech-Maschinen. Sie standen noch am frühen Morgen zuvor im Einsatz im Spital. Dann wurden sie abmontiert, ins Bellevue verfrachtet und wieder betriebsbereit gemacht. Auch eine Herz-Lungen-Maschine aus dem Team um den Herzchirurgen Thierry Carrel steht da. Ein Riesengedränge. Alle wollen den berühmten Chirurgen aus der Nähe sehen. «Dort ist er ja», ruft freudestrahlend eine ältere Frau.

Carrel ist nicht die einzige Koryphäe im Bellevue. Neben ihm hat Marco Caversaccio, Professor und Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, seinen Stand. Er zeigt den Besucherinnen und Besuchern die neusten Errungenschaften in seinem Fachgebiet: die Robotik, bildgebende Verfahren in 3-D-Technik, die Innenohrimplantate.

In einer Ecke des Salons flimmert auf einem Bildschirm eine Operation am Herzen, während am anderen Ende des Raumes historische Bilder mit Kropfpatienten laufen. Hier wird des berühmten Berner Chirurgen Teodor Kocher gedacht, der 1909 den Nobelpreis für die Erforschung der Schilddrüse erhielt. Ein anderer Kontrast zur modernen Medizin sind die Glasvitrinen, die uralte medizinische Instrumente präsentieren.

Ein Skelett auf dem Velo

Weil ohne Anästhesie im OP nichts läuft, haben diese Spezialisten auch eine Plattform. Sie befindet sich im noblen Salon Rouge, wo an einem Operationstisch die Patientensicherheit thematisiert wird. Die ganze medizinische Schau – sie trägt den Titel «Heile, heile Säge» ­– beinhaltet auch schräge Komponenten, wie ein Skelett, das Velo fährt.

Der Insel-Auftritt an der Berner Museumsnacht wurde von Thierry Carrel initiiert. Umgesetzt wurde er aber von ­professionellen Ausstellungsmachern, nämlich von Claude Kuhn und Simon Haller.

Quelle: Bernerzeitung

2018-05-14T14:26:06+00:00